Rollenspiele

Der Kaffee kommt nach Europa

Rauwolfs DokumentVon hier aus brachten Reisende aus den nordwestlichen Teilen Europas die Kunde von dem wunderbaren Getränk mit nach Hause. Unter ihnen war der Augsburger Mediziner Leonhart Rauwolf. Er beschreibt in seinem Reisebericht 1582 ausführlich das Getränk, das er in Aleppo auf seiner Expedition in den Vorderen Orient kennen gelernt hatte. Er lobt es als gut, nennt es schwarz wie Tinte und weist darauf hin, dass es dem Magen dienlich sei.

Bereits 1592 folgt eine detaillierte Beschreibung der Kaffeepflanze und -frucht durch den italienischen Arzt und Botaniker Prosper Alpinus. Obwohl er in Handelsdingen in Ägypten weilte, fand er doch genug Zeit, ein Werk über die dortigen Pflanzen zu verfassen - in diesem "De Plantis Aegypti Liber" sind auch Zeichnungen des Kaffees zu finden.

Anfang des 17. Jahrhunderts war der Bann gebrochen. Nachdem zuvor nur kleine Mengen an Kaffeebohnen als Souvenir aus den arabischen Staaten nach Europa gebracht worden waren, begann nun langsam ein schwunghafter Handel. Säckeweise trafen der Kaffee in den großen Hafenstädten wie Venedig, London, Amsterdam und Hamburg ein und Kaffee wurde hier zu einem begehrten Getränk der weltgewandten Reichen.

1645 wurde das erste Kaffeehaus am Markusplatz in Venedig eröffnet, 1650 folgte Oxford, 1652 London, 1659 Marseille, 1663 Amsterdam und Den Haag und schließlich 1672 Paris. Die Deutschen bekamen 1673 in Bremen ihr erstes Kaffeehaus, Hamburg zog erst vier Jahre später nach. Das Kaffeehaus - gerade in Wien - war ein Ort der Kultur, wo sich die Vertreter aus Literatur und Kunst trafen. Hier wurde das bittere Getränk auf Wunsch mit Milch und Zucker oder Sahne verfeinert und mit einem Glas Wasser zu sich genommen.

Kaffehaus

Zuerst war der Kaffee auch hier nur ein Getränk für eine kleine, gut betuchte Gesellschaftsschicht. Das einfache Volk konnte sich das neue Getränk nicht leisten und blieb bei seinem traditionellen Genußmittel Bier. Erst nach und nach, als der Kaffee billiger wurde, setzte er sich auf weiter Ebene durch und die Kaffeehäuser wurden zu Orten, an denen sich Angehörige aller Schichten und Berufsgruppen trafen, um bei eines Tasse des anregenden Getränks über die politische und wirtschaftliche Situation zu diskutieren; ein Umstand, der viele der Herrschenden jener Zeit nicht wirklich gefiel.

Der Preußenkönig Friedrich der Große stellte das Kaffeetrinken sogar 1768 unter Strafe, vermutlich weil er die aufrührerische Wirkung des Getränks fürchtete. Da der Kaffee aber mittlerweile zu einem wichtigen Handelsgut geworden war, wich das Verbot bald einem lukrativeren System: der Belegung des Handels mit Einfuhrzöllen und Steuern.