Rollenspiele

Der Handel floriert

Im 16. Jahrhundert wurde sämtlicher Kaffee fast vollständig von Arabern im Südjemen angebaut. Sie verteidigten dieses Monopol und hüteten das Wissen um den Kaffeeanbau streng. Ihr besonderes Anliegen war es, keine keimfähigen Bohnen in fremde Hände kommen zu lassen. Um das zu verhindern, übergossen sie die zum Verkauf bestimmten Bohnen mit heißem Wasser.

Selbstverständlich war es nur eine Frage der Zeit, bis die ersten Kaffeepflanzen auf irgendeinem Wege in andere Hände gelangten - die mit diesem Produkt verknüpfte Gewinnmöglichkeit war zu groß. Bald waren die Niederlande, Spanien und Portugal im Besitz der Pflanzen, die sie in ihre Kolonien mit dem entsprechenden Klima brachten - die Niederländer zum Beispiel errichteten Plantagen in Cylon, später auch Java, Sumatra und Bali und weitere Länder. Durch ihre Ostindische und Westindische Kompanie sorgten sie für eine entsprechende Ausbreitung ihrer Handelsinteressen.

Kolonien

Im Laufe des 18. Jahrhunderts wuchs Kaffee überall auf der Welt, vermutlich ab 1726 auch im später wichtigsten Anbaugebiet Brasilien. Während die Kolonialmächte durch den Handel reich wurden, denn neben Europa wollte nun auch Nordamerika mit dem schwarzen Trunk versorgt werden, der Absatzmarkt war demnach sehr groß, begann für die Anbauländer die bekannte Geschichte der Ausbeutung. Auf den meisten Plantagen arbeiteten afrikanische Sklaven, die aus ihrer Heimat entführt und in alle Anbaugebiete gebracht wurden. Die Arbeits- und Lebensbedingungen waren katastrophal und viele der Sklaven starben schon auf der Reise in ihr neues Land. Doch ohne Sklaverei schien der Anbau und der lukrative Verkauf des Kaffees nicht möglich zu sein - und dem schwarzen Getränk in den feinen Tassen sah man nicht an, unter welchen Bedingungen der Grundstoff angebaut worden war.

PlakatKaffee war zu einem international bedeutenden Handelsgut geworden und durch den großen Maßstab, in dem es angebaut und verarbeitet wurde, mittlerweile für jeden erschwinglich. Auch die Staaten verdienten mit Zöllen und Steuern kräftig an dem beliebten Getränk und eine Reihe von weiteren "Trittbrettfahrern", wie die Hersteller von Kaffeegeschirr und Zubereitungstechnik wie Mühlen und Aufgußzubehör, entwickelten eine lebhafte Industrie.

Auch eine Konkurrenz schlich sich auf den Markt: um das staatliche Kaffeemonopol des Handels und schließlich auch der Röstung zu umgehen und dadurch eine kostengünstigere Alternative zum schaffen, wurde der Zichorienkaffee erfunden - 1769 eröffnete die erste deutsche Fabrik in Braunschweig. Dieser Kontinentalkaffee bot einen Ersatz, wenn die Politik durch Kriege oder Steuern den Konsum des "echten Stoffs" verhinderte.